In den Zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts zog eine Familie dem Ort Stockstadt zu, deren Nachkommen mit Namen DEBOR dort bis heute vertreten sind. Es handelte sich um die Witwe des Peter Debor – Johanna Debor, geborene Gruber – mit ihren Kindern. In den Matriken der französisch-reformierten Gemeinde der Hanauer Neustadt ist diese Familie, auf die sich die heutigen DEBORs beziehen lassen, mit dem Namen DU BORD eingetragen. In Frankfurt, wo Jacques und Anne Marie, die Vorfahren der Hanauer Familie, heirateten, ist noch der Name DUBOIR vermerkt, im Berner Kanton Waadt ist dagegen der Nachname DUBOIS geläufig.
Man findet im 17. und 18. Jahrhundert unterschiedlichste Schreibweisen, darunter: DEBOR, DEBOUR, DUBOIR, TEBOHR, DUBOIS, DE BOOR. Da die Niederschriften nach Gehör erfolgten, ist dies nicht verwunderlich. In Stockstadt bürgerte sich ab dem Zuzug der Familie in den 1720-er Jahren der Nachname DEBOR ein. Andere Zweige der Familie nannten sich DE BOOR. Die aus Hanau zugezogenen Debor-Söhne waren Walkmüller von Beruf. Sie übernahmen im Bereich der heutigen Schulstraße eine Mühle und Walkmühle. Der Vater der Familie – Peter Debor (= Pierre Du Bord) – hatte vor seinem Tod in Hanau-Altstadt ebenfalls eine Walkmühle betrieben, die sich im Bereich der Herrenmühle an der Kinzig befand. Dieses Mühlenensemble lag vor dem Schlosspark mit dem nicht mehr existierenden Sitz der Grafen von Hanau-Münzenberg. Noch heute ist eine Straße nach der ehemaligen Walkmühle benannt.

Peter Debors Eltern
Peters Vater Jacob (oder Jacques) Du Boir war laut Traubuch Bonames der Sohn des Jean (oder Johann) du Boir aus Vevey im Schweizerischen Kanton Waadt. Weitere Informationen zu seiner Familie stehen noch aus. Der Familienname Dubois oder Du Bois ist in Vevey vertreten, es ist jedoch nicht nachgewiesen, ob Jacques zu diesen Familien gehörte.
Peters Mutter Anna Maria Busch, Tochter des Walkmüllers Peter Busch (1612-1684) und der Sara Marquin (ca. 1620-1689), wurde in den Hanauer Matriken auch Anne Marie Bouchy (Bouchi, Boucher) genannt. Da ihre Eltern die ersten beiden Kinder namens Jules (1644) und Jean (1650) in der französisch-reformierten Gemeinde Hanau taufen ließen, stammte ihre Mutter Sara vermutlich aus dem Wallonischen. Vom Familienvater Peter Busch denken wir, dass er der Sohn des Hans und der Elisabeth Busch war und am 18 April 1612 in Frankfurt getauft wurde. Tochter Anne Marie dürfte wie der 1655 getaufte Bruder Thomas und die 1657 getaufte Schwester Elisabeth in Hanau geboren sein, der Taufeintragnachweis fehlt bislang aber noch.
Jacques Du Bois war lt. Matrikeleinträgen aus Vevey im Kanton Waadt in der Schweiz gekommen. Er arbeitete als Bender auf der Walkmühle in Frankfurt-Bonames, wo Peter Busch als Walkmüller tätig war. Am 14 Januar 1673 heiratete Jacques dessen Tochter Anna Maria Busch. Heirat und Aufgebot vom 22 Dezember 1672 sind im Traubuch auf Seite 276 mit den üblichen Schreibfehlern wie folgt vermerkt: welcher war Dominica IV.Adv. ist wei auch die zweren nachfolgendn Sonntage, Jacob du Boir, de Veney im Berner Gebiet, Bender, weylandt Johannis du Boir, gewesener Bürger daslebsten hinterlassener ehelicher Sohn mit Anna Maria, Peter Buschen Inwohners und Walckmüller allhier, eheleiblicher Tochter aufgeboten. in hiesiger Kirch copuliert worden. Die Mahlzeit ist in hiesiger Walckmühlen gehalten worden.
Wohnorte der Familie: Frankfurt und Hanau-Neustadt
Aufgrund ihrer Verfolgung in den Herkunftsländern waren zahlreiche Familien reformierten Glaubens in deutsche Fürstentümer und Grafschaften ausgewandert. Manche waren auf Umwegen über England nach Frankfurt gekommen, wo sie eine reformierte Gemeinde gründeten. Andere zogen direkt aus der Schweiz, Frankreich, Spanien und den Niederlanden dorthin. Als die Glaubensausübung in Frankfurt aus vielerlei Gründen schwieriger wurde, ließen viele sich mit ihren Familien in Hanau nieder, wo Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg die Calvinisten willkommen geheißen hatte (mehr dazu hier). Im Zeitraum 1674 bis 1676 zogen nun auch Peter Debors Eltern von Frankfurt-Bonames in die Hanauer Neustadt um. In den dortigen Kirchenbüchern wurde der Nachname der Familie fortan als „du Bord“ oder „du Bort“ geführt.
Peter Debors Geschwister
Geburt des Bruders Johannes de Bour in Frankfurt-Bonames
Ein Jahr später – am 18 Januar 1674 – wurde Jakobs und Anna Marias Sohn Johannes geboren. Er erhielt den Vornamen seines Großvaters väterlicherseits. Seine Taufe findet man im Taufbuch für Bonames auf Seite 39. Der Nachname ist dort mit de Bour vermerkt, der Name der Mutter fälschlicherweise mit Maria Elisabeth. Als Pate ist Johannes Busch, Bruder der Kindsmutter angegeben: Nachmittags um 3 Uhr in die Welt geboren. Jacob de Bour, aus dem Stift Bern in der Schweitz bürtig und Maria Elisabeth seiner ehelichen Hausfrauen einen Sohn getauft. Pate: Johannes Buschi, Peter Buschen Walckmüllers allhier ehelicher Sohn.
Johannes de Boor – wie er später in Matriken heißt – wurde Zimmermann und verheiratete sich am 18 Oktober 1697 in der Evangelischen Kirche Frankfurt mit Maria Susanna Victor, Tochter des Wilhelm Victor: Johannes De Boor, Zimmergesell, weyl. Jacob de Boors seel. gewesenen Walckmüllers zu Hanau ehelicher Sohn und Maria Susanna weyl. Wilhelm Victor, seel gewesenen Bürgers und Huthmachers zu Dirmstein in der Pfaltz, ehel. Tochter.

Mit seiner Frau ließ Johannes de Boor sich nach der Heirat in Worms nieder, wo mindestens zwei Kinder zur Welt kamen, nämlich die Söhne Paulus de Boor (1699) und Johannes de Boor (1704). War er zur Heirat noch Zimmergeselle gewesen, so war er nun mit der Bezeichnung Meister eingetragen.
Geburt der Schwester Anne Marie du Bord in Hanau
22 Mai 1676: Das zweite Kind – die Tochter Anne Marie du Bord – wurde in Hanau geboren und am 25 Mai in der wallonischen Kirche Hanau getauft (vgl. Taufbuch 1, Seite 194). Paten waren Samuel Cerba und dessen Frau Marie Bouillamain. Anne Marie du Bord, fille de Jacques du Bord et de Anne Marie Bouchi sa femme nasquit le lundi 22 de May 1676 et fut baptizée le jeudi suivant 25 du meme moi par M. Begui et eut pour parrin Samuel Cerba et Anne Marie Bouillamain sa femme pour marrine.

Peter Debors Geburt in Hanau
15 Oktober 1678: Das dritte Kind – der Sohn Pierre du Bord (=Peter Debor) – wurde in Hanau geboren und am 21 Oktober in der wallonischen Kirche Hanau getauft (vgl. Taufbuch 1, Seite 202). Paten waren sein Großvater mütterlicherseits Peter Busch und dessen Schwiegertochter Marie Wartieau. Pierre du Bord, fils de Jaques du Bord et de Marie Bouchi sa femme nasquit le mardi 15 d’Octobre 1678 et fut baptisé le lundi suivant, 21 du meme mois par Mons. Philippe, et eut pour parrin Pierre Bouchi, et Marie Wartieau pour marrine.
Peter Debor ist der Vorfahre der Stockstädter Familien gleichen Namens.

Geburt der Schwester Rachel du Bord in Hanau
20 Oktober 1681: Das vierte Kind – die Tochter Rachel du Bord – wurde in Hanau geboren und am 24 Oktober 1681 in der wallonischen Kirche Hanau getauft (vgl. Taufbuch 1, Seite 215). Paten waren Mattieu Hesterman und seine Schwägerin Rachel Stern, Frau des Pierre Hesterman. Rachel du Bord, fille de Jaque du Bord et de Marie Bouchi sa femme nasquit le jeudi 20 de October 1681 et fut baptisée le lundi suivant 24 du meme mois par M. Philippe et eut pour parrin Mattieu Hesterman et sa belle soeur Rachel Stern, femme du Pierre Hestermann pour marrine.
Rachel starb am 10 Oktober 1702 in Hanau. Im Totenbuch der Hanauer Marienkirche ist angegeben, dass Rachel, Tochter des Walkmüllers Debohr, am 10 Oktober 1702 im Alter von fast 21 Jahren verstarb: Ist Jfr. Rahel weÿl d 10. 8bris Mr Johann Jacob Debohr, geweßener Walkmüller allhier, hinterlaßene Tochter. Alt 20 Jahr, u 11 Monath begraben mit 1 Gl.

Geburt des Bruders Jules du Bord in Hanau
23 Januar 1684: Das fünfte Kind – der Sohn Jules du Bord – wurde in Hanau geboren und am 29 Januar in der wallonischen Kirche Hanau getauft. Paten waren Julius Busch und dessen Frau Anna Margaretha Schweitzer. Jules du Bort, fils de Jacques du Bort et de Marie Bouchy sa femme nasquit le 23 Janvier et baptizé le 29 Janvier par Mons. Philippe, Jules Bouchy et sa femme Anne Margueritte Schweitzer furent parrin et marrine.

Todesfälle in Hanau
Wann der Familienvater Jacques du Boir und seine Ehefrau Anna Maria Busch verstarben, ist mir nicht bekannt. Als Sohn Johannes am 16 Oktober 1697 in Frankfurt heiratete, war Jacques bereits nicht mehr am Leben. Peter Debor selbst muss als Mitglied der reformierten Gemeinde um 1723 bis 1724 in Hanau verstorben sein, das genaue Datum ist jedoch ebenfalls bislang nicht bekannt.
Peters Ehefrau und Kinder
Peter war mit der Leinweberstochter Johanna Maria Gruber verheiratet.
Nach seinem Tod entschloss sich Peters Witwe Johanna Gruber aus vermutlich wirtschaftlichen Gründen, mit ihren Kindern im Alter zwischen 12 und 25 Jahren nach Stockstadt am Main überzusiedeln. Dort beginnt nun die Geschichte der Vorfahren der Stockstädter DEBOR-Familien.
Peters Kinder, die in den folgenden Jahren in Stockstadt eigene Familien gründeten, traten – gemäß dem Grundsatz „eius regio, eius religio“ – im Kurmainzer Gebiet, zu dem Stockstadt damals gehörte, zur katholischen Religion über. Besonders die Nachkommen des jüngsten Sohns – Albert Debor (1709-1750) – und seiner Schwester Anna Elisabeth Debor (1707-1785) – sind heute in vielen Stockstädter Stammbäumen zu finden.
Den ältesten Sohn – Andreas Debor (1702-1771) – dagegen zog es später wieder ins Hessische, der zweitälteste Sohn – Isaac de Boor (1704-1788) – zog nach Hamburg, wo seine Nachkommen noch heute leben. Die Nachkommen der Schwester Rachel Debor (1712-1772) findet man in Stockstädter und u.a. Haibacher und Grünmorsbacher Stammbäumen. Die Schwestern Sarah (1700-1735) und Johanna Margaretha Debor (1715-1723) verstarben früh.
Am 11 Oktober 1734 heiratete Johanna Gruber, verwitwete Debor, den gleichaltrigen Johann David Zimmermann aus Seligenstadt. Wo sie verstarb, ist derzeit nicht bekannt. Da ihr zweiter Ehemann jedoch in Seligenstadt verstarb, dürfte auch sie dort das Zeitliche gesegnet haben.



