Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts überquerten Ströme von Auswanderungwilligen den Atlantik auf Segelschiffen. Bis zum Abreisehafen hatten sie bereits eine strapaziöse Reise auf sich genommen. Per Pferdewagen, Schiff und später per Eisenbahn erreichten sie die Häfen (Le Havre, Rotterdam, Hamburg und Bremen). Die Schiffsreise nach Amerika dauerte dann noch sechs bis acht Wochen. Und auch nach der Ankunft erreichte man nicht sogleich den gewünschten Ort. Denn wer im Winter in Amerika ankam und in den Norden weiterreisen wollte, musste oft noch lange im Ankunftsort (meist Baltimore und New York) ausharren, da der Hudson bis April zugefroren war und Straßen nicht befahrbar waren.
In der Regel handelte es sich bei den Segelschiffen um Hochseebarken mit drei Masten, die zwischen 300 und 500 Personen fassen konnten. Diese brachte man mit wenigen Ausnahmen, die sich die Überquerung des Atlantiks in der ersten Klasse leisten konnten, im Unterdeck auf engstem Raum unter. Den nach der Ankunft frei gewordenen Raum nutzte man auf der Rückreise zur Ladung und zum Weitertransport von Fracht.

Die Zustände auf den Schiffen waren erbärmlich und die Reise außerordentlich beschwerlich. Die Reisenden wurden nicht verpflegt und mussten ihren eigenen Reiseproviant, Bettzeug und Kleidung für die wochenlange Überfahrt und die Zeit danach mitbringen. Finanziert hatten sie dies und die Kosten der Schiffspassage (anfänglich etwa 90 bis 100 Dollar, je nach Strecke und Ankunftshafen) zumeist durch den vorherigen Verkauf sämtlichen Eigentums. Gepackt wurde in große Koffer, Truhen und Bündel, die auf dem engen Raum im Unterdeck untergebracht werden mussten. Dort musste man sich mit den Decknachbarn arrangieren und vertragen. Das Oberdeck durfte in der Regel nicht betreten werden, Luftaustausch war in den Bretterverschlägen des Unterdecks kaum möglich, und so kamen Erkrankungen (wie Infektionen, Magen-Darm-Probleme u.a.) aufgrund der Enge und Überfüllung der Unterdecks häufig vor. Seekrank wurden viele, und auch Sterbefälle und Geburten während der Überfahrt waren keine Seltenheit.

Ein zeitgenössischer Briefeschreiber schilderte die Schiffsreise wie folgt: „[…] Auf unserem Schiff sind bey 4 hundert Menschen gewesen davon sind 20 gestorben, aber die meisten nur Kinder und sind auch 5 gebohren worden im Schiff, ja meine Liebe Schwester und Bruder der Sterbfall hat auch mich getroffen den 22ten Hornung ist mein Kind Sybilla gestorben […]“ (vgl. Moltmann: Aufbruch nach Amerika 1989, 271)
Ein anderer erzählt: „Nun waren wir zwei Tage in Antwerpen und schifften dann am 15. März vom Lande ab und dauerte bis Newyork 39 Tage. […] die Kost schmeckte mir nicht, weil alles einen üblen Geschmack hatte […] Auch die Reinlichkeit war auf dem Schiff wenig, denn es waren 340 Personen auf demselben Schiff, und die Sauerei war so groß, dass man nirgends hat mit den Schuhen gehen können, wegen dem Morast und Wasser, denn es war ein altes, verfaultes Schiff, wie wir gehört haben, war es schon gegen 200 Jahre alt […]“ (vgl. Wannenmacher. Ein Rangendinger Auswanderer berichtet in einem Brief vom 20.6.1852 über seinen Reiseweg nach Amerika. In: Hohenzollerische Heimat 17 (1976), S. 3f.)

Erst mit Einführung der Dampfschifffahrt ab etwa Beginn der 1860-er Jahre wurden die Reisebedingungen allmählich besser. Nun dauerte die Überfahrt nicht mehr zwischen sechs und zwölf Wochen. Man konnte Amerika nun in etwa 16 Tagen erreichen, später mit schnelleren Schiffen sogar in 8 bis 10 Tagen. Das ermöglichte denjenigen, die es sich leisten konnten, ihre alte Heimat noch einmal zu besuchen.


