Amerika - Auswanderung

Auswanderungsforschung

Die Auswanderungsforschung ist ein spannendes Feld. Man erfährt nicht nur interessante Details über das Leben der ausgewanderten Personen und Familien. Man gerät auch in Kontakt mit deren Vorfahren und kann ihnen vielfach mit Informationen über den Herkunftsort der Familie weiterhelfen. Ich mache das sehr gerne, schreibe oft die gefundenen Kontakte an und teile mit, wenn etwas in ihren veröffentlichten Stammbäumen nicht passend ist. Auch verknüpfe ich oft mehrere vorhandene Stammbäume in öffentlichen Datenbanken, wenn möglich. Denn oft wissen amerikanische Familien nicht, dass ihr Vorfahre oder ihre Vorfahrin mehrere Geschwister hatte und dass ihre amerikanische Familien größer sind als angenommen. Auf diese Weise habe ich schon viele nette Menschen kennengelernt.

Was braucht man dazu? Wie geht man vor?

Sprache, Geschichte, Geografie

Englischkenntnisse sind natürlich vonnöten. Denn da seit der Auswanderung im 19. Jahrhundert bereits 150 bis 200 Jahre vergangen sind, kann man nicht erwarten, dass die Nachkommen der Auswanderer noch die Muttersprache ihrer Vorfahren sprechen. Nur wenige sprechen Deutsch. Und die Kommunikation ist trotz vorhandener Übersetzungssoftware nur dann in guter Form möglich, wenn man Sprache und Höflichkeitsformen halbwegs beherrscht.

Historische Zusammenhänge, Push- und Pull-Faktoren und Fluss der Auswanderungsströme muss man nicht im Einzelnen kennen. Ein wenig historisches Wissen ist aber hilfreich und man lernt mit jedem Forschungsschritt dazu. Unbedingt befassen sollte man sich mit den amerikanischen Bundesstaaten und deren Countys. Die übliche Schreibweise lautet: Stadt, County, Bundesstaat, United States.

Computer- / Internetkenntnisse

Die Bedienung von Suchmaschinen und Datenbanken ist essentiell, dürfte heute aber jedem halbwegs geläufig sein. Der Zugang zu Dokumenten im Internet erleichtert die Recherchen ungemein. Datenbanken wie Ancestry oder MyHeritage werden inzwischen von vielen Forschern genutzt und geben die Möglichkeit, eigene Erkenntnisse in Stammbäumen darzustellen. Die Nutzung ist jedoch kostspielig. Leichter lässt sich (kostenfrei) mit FamilySearch arbeiten, der Website der Kirche der Heiligen der Letzten Tage. Der Zugang ist mit Emailanschrift und Passwort frei, ermöglicht wird sowohl die Suche als auch die Eingabe eigener Daten. Als nachteilig ist anzusehen, dass jeder einen vorhandenen Stammbaum bearbeiten kann. Daher sollte man eigene Angaben regelmäßig korrigieren und nachsichtig sein, wenn man in Amerika glücklich ist, einen vom Geburtsjahr halbwegs passenden „Johann Bauer“ gefunden zu haben, der jedoch nur einer von Tausenden und eben nicht der passende ist.

Mithilfe des Internets kann man unbeschreiblich vieles finden: Passagierlisten, Volkszählungen, Familienbücher, Matriken, und nicht zuletzt Grabsteine auf der Website Findagrave. Ich wähle meist den ersten Zugang über FamilySearch, suche nach gefragten Personen oder trage sie, wenn nicht vorhanden, dort ein. Von FamilySearch aus kann man diverse Datenbanken und Suchmaschinen anwählen und sie nutzen, sofern man dort Mitglied ist. Auf diese Weise lassen sich viele Zusammenhänge verifizieren.

Manche Forscher kommunizieren via Facebook, Instagram u.ä, auch auf deutschen Webseiten, wie bspw. ahnenforschung.net kann man fündig werden. Und manchmal bringen auch die gängigen Suchmaschinen im Internet einen überraschenden Fund. Ich nutze prinzipiell alles außer den so genannten sozialen Medien, von denen ich mich aus persönlichen Gründen verabschiedet habe.

Fantasie und detektivischer Spürsinn

Wenn man mit der Suche nach Personen beginnt, kann man von der veränderten Schreibweise der Nachnamen überrascht werden. In Deutschland notierte Passagierlisten verzeichnen Namen meistens korrekt. Wurden die Passagiere jedoch in Amerika erfasst, stößt man nicht selten auf veränderte Schreibweisen von Familiennamen. Auch Vornamen wurden ganz häufig in einfachere, englische Vornamen – wie John oder Joseph – übertragen, wenn der Taufname im Englischen schwer auszusprechen war.

Ein paar Beispiele für Stockstädter Nachnamen: Flügel wurde zu Fleagle, Gentil wurde zu Shantill, Duttine zu Dudney. Schaut man genauer hin, erkennt man sofort bei Gentil den gesprochenen Ortsdialekt. Es kann also hilfreich sein, einen Namen vor sich hin zu sprechen und dann nach diversen möglichen Schreibweisen zu suchen. Die in den Datenbanken mittlerweile eingesetzte KI kann solche Dinge meist nicht erkennen.

Region und Herkunftsort

Die in Volkszählungen angegebenen Herkunftsregionen sind in der Regel erst ab 1880 halbwegs passend. Ortschaften sind jedoch nicht genannt, lediglich „Bayern“ für die Stockstädter. Man darf sich nicht irritieren lassen, wenn andere Angaben eingetragen sind. Die Zuordnung zu im deutschen Herkunftsraum vorhandenen Grafschaften und Fürstentümern oder Regionen fiel amerikanischen Aufzeichnenden oft nicht leicht. Ortsnamen erkennen oft nur wir wieder, auch wenn sie falsch aufgezeichnet sind.

Sorgfalt!

Woher weiß man, ob es sich bei der bspw. in einer Volkszählung gefundenen Person um die passende Person handelt. Leicht ist es bei ungewöhnlicheren Namen, schwieriger bei in Deutschland weit verbreiteten Familiennamen. Ich rate zu äußerster Vorsicht! Auch mir ist es schon passiert, einen Adam Bauer mit halbwegs passendem Geburtsjahr als den Gesuchten zu betrachten. Und erst die Suche nach Belegen zeigte, dass meine Annahme falsch war.

Funde mit Belegen zu dokumentieren, ist oberste Pflicht! Wo man nur vermutet, sollte man dies unbedingt erwähnen und Vorsicht walten lassen bei der Verknüpfung mit vorhandenen Stammbäumen.

Genetik als Weg?

Viele Amerikaner nutzen die Möglichkeit unterschiedlicher DNA-Tests, um Verwandte zu finden. Da ihnen jedoch meistens nur die Namen aus den drei bis maximal vier vorherigen Generationen bekannt sind, kann dies schwierig werden. Erkennt man in einem solchen Stammbaum einen Stockstädter Nachnamen, ist es leicht. Dann kann man auf der Basis des Familienbuchs die Verwandtschaftsbeziehung erkennen und zu sich selbst herstellen. Kennt man die Nachnamen jedoch nicht, ist umfangreiche Recherche notwendig. Oft bleibt die Verbindung im Nebel. Ich selbst habe dies erlebt. Mit einem New Yorker Tierarzt und seinen beiden Halbgeschwistern habe ich jeweils einen „Match“, also eine genetische Verbindung. Definitiv besteht eine verhältnismäßig sogar recht nahe Verwandtschaft. Bis heute konnten wir jedoch nicht herausfinden, um welchen Auswanderer es sich bei deren Vorfahren handelt, da die Großmutter verschwiegen hatte, wer der Vater ihres unehelich geborenen Kindes war.